Fließendes Chi stärkt Körper und Seele

Chi oder Qi ist ein Begriff aus dem Daoismus, einer alten chinesischen Religion, und steht für Energie oder Atem.
Es gibt viele Lehren, die auf dem Chi basieren. Im Neukonfuzianismus steht Chi für den materiellen Aspekt der Wirklichkeit im Gegensatz zum Li, dem formellen Aspekt. Nur Chi und Li gemeinsam ergeben die sichtbare Welt.

Yin Yang

Chi in verschiedenen Lehren

In vielen Fällen aber ist Chi eine Energie, die im Körper oder der unmittelbaren Umgebung fließt.
Feng Shui wird in Fernost schon lange praktiziert und auch in unseren Breitengraden findet es immer mehr Beachtung. Hier wird der Mensch in Beziehung zu seiner Umwelt gesehen, die dementsprechend gestaltet wird, dass das Chi richtig fließen kann. Inneneinrichtungen, Architektur sogar ganze Städte können nach dem Feng-Shui-Prinzip ausgerichtet sein, in dem das Chi optimal fließt und der Mensch davon durch Gesundheit und Wohlbefinden profitiert.
Die Kontrolle und das Wahrnehmen des Chi ist in Kampfkünsten aus Fernost häufig eine tragende Säule. Durch jahrelanges und intensives Training, wie es die zum Beispiel die Shaolin-Mönche praktizieren, wird der Fluss des Chi gestärkt. Diese Energie wird aber gleichzeitig für die Kampfkunst verwendet, bei der der Praktizierende das Chi bewusst lenken und bündeln kann. Nur so sei es möglich, dicke Bretter, Steine oder gar Eisenstangen mit der Hand oder dem Kopf zu zerschlagen.
Durch diese Lehren wird das Chi gestärkt und verhilft somit indirekt zu einer gesünderen Lebensform.

Gesundheit in der TCM

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) hingegen nutzt das Chi direkt, um Gesundheit zu fördern und zu erlangen. Die Lebensenergie fließt in Form von so genannten Meridianen, den Leitbahnen, durch den Körper. Dieser Fluss unterliegt einer bestimmten Dynamik, die bei Gesundheit im Gleichgewicht ist. In der TCM wird dieses Gleichgewicht Yin und Yang benannt. Bei Störungen im Fluss des Chi kommt es daher zu einem überwiegenden Yin oder einem überwiegenden Yang.
In der TCM spielen außerdem die Jahreszeiten und Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser eine große Rolle. In dieser Therapieform gibt es fünf „Organe“ (Leber, Herz, Milz, Lunge und Niere), die nur zum Teil den eigentlichen Organen in Funktion und Lage entsprechen. Jedes „Organ“ ist Jahreszeiten und Elementen zugeordnet, die der Therapeut bei seiner Behandlung berücksichtigen muss.
Kommt es nun zu Störungen im Fluss des Chi, ist zu wenig Chi vorhanden oder bereits verbraucht, zeigt sich dies durch unterschiedlichste Symptome. Auf den Meridianen lässt sich diese Störung auf der Haut als Gewebswiderstand spüren; dies sind Therapiepunkte.
Neben anderen Verfahren kommt in der TCM die Akupunktur häufig zum Einsatz. Je nach Erkrankung – der Therapeut spricht zum Beispiel von einer Leber-Chi-Stase – werden verschiedene Therapiepunkte mit einer Akupunkturnadel gereizt, wodurch das Chi wieder zum Fließen gebracht werden soll.
Ergänzt wird die Therapie bei einem ausgebildeten TCM-Therapeuten durch Phytotherapie, Diäten und Vorschlägen zu Änderungen des Lebensstils.

Im Gegensatz zu vielen anderen Therapien, die sich mit Chi oder Lebensenergie in verschiedenen Formen beschäftigen, ist die Akupunktur zum Teil anerkannt und wird bei bestimmten Indikationen von den Krankenkassen bezahlt.